Alles Wichtige über die neuen Normen zur Röntgenschutzkleidung

In den letzten Jahren wurden einige neue Normen zur Röntgenschutzkleidung formuliert, die mittlerweile in Kraft getreten sind und alle Einrichtungen betreffen, in denen Röntgenschutzkleidung für medizinisches Personal zum Einsatz kommt. Diese Normen regeln nicht nur die Anforderungen an die Kennzeichnung und Beschaffenheit von Röntgenschutzkleidung, sondern auch deren regelmäßige Überprüfung.

DIN EN 61331:2016 und IEC 61331:2014

Die neue internationale Norm IEC 61331:2014 und die nationale Norm DIN EN 61331:2016 befassen sich mit den Anforderungen an Röntgenschutzkleidung für medizinisches Personal. Durch die neuen Normen soll sichergestellt werden, dass die Röntgenschutzkleidung einen ausreichenden Schutz bietet, dass sich die Größe der Schutzkleidung an den Körpermaßen des Anwenders orientiert und dass bei der Festlegung der Schutzwirkung auch die Fluoreszenzstrahlung berücksichtigt wird.

DIN EN 61331:2016 Teil 1

Der 1. Teil der nationalen Norm DIN EN 61331:2016 regelt die Methodik zur Bestimmung des Bleigleichwerts von Röntgenschutzkleidung. Im Gegensatz zum früheren Testverfahren wird bei der neuen Testmethode auch die durch das Material abgegebene Fluoreszenzstrahlung berücksichtigt. Hierbei ist es besonders wichtig zu wissen, dass die Fluoreszenzstrahlung durch das Auftreffen der Röntgenstrahlung auf das Material der Röntgenschutzkleidung entsteht. Es handelt sich um eine Strahlung mit hoher biologischer Wirkung, die besonders für oberflächlich gelegene Organe ein hohes Risiko darstellt. Mitunter kann durch die Entstehung einer starken Fluoreszenzstrahlung die Schutzwirkung sogar nahezu aufgehoben werden, da diese Strahlung gefährlicher ist, als die abgeschwächte Primärstrahlung.

Eine mögliche Lösung, um den Anwender vor Fluoreszenzstrahlung zu schützen und trotzdem Material verwenden zu können, das zu einer starken Fluoreszenzstrahlung neigt, ist die Materialschichtung.

DIN EN 61331:2016 Teil 3

Im 3. Teil der DIN EN 61331:2016 geht es um das Design der Röntgenschutzkleidung für medizinisches Personal. Hierbei müssen mehrere Aspekte berücksichtigt werden:

Die Länge der Röntgenschürze/des Röntgenrocks:

Gemäß der neuen Norm muss die Röntgenschutzkleidung so lang sein, dass die Knie des Trägers sicher bedeckt sind. Hintergrund: Im Kniegelenk befindet sich blutbildendes Knochenmark, das unbedingt vor Röntgenstrahlung geschützt werden muss, um die Entstehung von Blutkrebs zu verhindern.

Der Umfang der Röntgenschutzkleidung:

Ebenso wie die Körpervorderseite müssen auch die seitlichen Bereiche des Körpers ausreichenden Schutz erhalten. Deswegen ist ab sofort vorgeschrieben, dass die Röntgenschutzkleidung an der Stelle mit dem größen Körperumfang (das ist entweder auf der Höhe von Brust, Taille oder Bauch) mindestens 60% des Körperumfangs bedeckt.

Die passende Größe ist von entscheidender Bedeutung:

Ist die Röntgenschutzkleidung zu groß, zeigt sich das häufig an den Armausschnitten. Diese sind dann meist so weit, dass sie Röntgenstrahlung seitlich eintreten lassen, was insbesondere bei Frauen zu einer Exposition des empfindlichen Brustgewebes führt.

Wird hingegen zu kleine Röntgenschutzkleidung getragen, zeigt sich dies meist bei der Prüfung der Schutzkleidung. Bei zu kleiner Röntgenschutzkleidung sind die Nahtstellen oft so gedehnt, dass sie durchlässig für Röntgenstrahlung sind und dadurch nur noch einen unzureichenden Schutz bieten.

Verpflichtende Angaben auf der Röntgenschutzkleidung

Mit Einführung der neuen DIN EN 61331:2016 hat sich auch die Kennzeichnung der Röntgenschutzkleidung geändert. Ab sofort müssen 4 Angaben verpflichtend auf der Schutzkleidung angegeben werden:

  • Röntgenröhrenspannungsbereich

Der Hersteller muss angeben, für welchen Bereich die Schutzwirkung gemessen und nachgewiesen wurde.

  • Normenkennzeichnung

Es muss genau ersichtlich sein, welcher Norm die Schutzkleidung entspricht und aus welchem Jahr die Norm stammt.

  • CE-Kennzeichnung

Zusätzlich zur CE-Kennzeichnung muss auch die 4-stellige Kenn-Nummer der benannten Stelle mit angegeben werden.

  • Angabe des Flächengewichts

Die Angabe des Flächengewichts erleichtert die Vergleichbarkeit von Röntgenschürzen aus verschiedenen Materialien und von verschiedenen Herstellern.

Die DIN 6857-2:2016-08 regelt die Überprüfung der Röntgenschutzkleidung

Mit der DIN 6857-2:2016-08 wurde im August 2016 erstmals eine Norm eingeführt, die die Überprüfung vorhandener Röntgenschutzkleidung regelt. Die Prüfung betrifft lediglich die durch das Personal verwendete Schutzkleidung, Patientenschürzen sind von der neuen Norm ausgenommen. In der DIN 6857-2:2016-08 sind Prüfverfahren und Prüffristen festgelegt, die dazu dienen, Mängel an der Röntgenschutzkleidung so früh wie möglich festzustellen, um das Personal bestmöglich vor einer Strahlenexposition zu schützen.

Die Prüfung der Röntgenschutzkleidung erfolgt entweder als Tastprüfung oder als Durchstrahlungsprüfung, z. B. mit Hilfe des vorhandenen Röntgengeräts. Die Tastprüfung wird mindestens einmal jährlich durchgeführt und dient dazu, tastbare Schäden, wie z. B. Löcher, Risse, Knicke o.ä., festzustellen.

Mit Hilfe von Röntgenstrahlung wird mindestens alle 2 Jahre (bei neu angeschaffter Röntgenschutzkleidung erfolgt die Erstprüfung erst nach 3 Jahren) oder immer dann durchgeführt, wenn der Verdacht auf eine Beschädigung besteht. Wird bei der Überprüfung ein Defekt festgestellt, muss innerhalb von 12 Monaten eine neue Überprüfung erfolgen. Bei der Feststellung eines Mangels ist die Schutzkleidung sofort zu entsorgen!

Die Überprüfung der Röntgenschutzkleidung muss protokolliert und das Protokoll aufbewahrt werden. Zudem hat arbeitstäglich eine Sichtprüfung der verwendeten Röntgenschutzkleidung zu erfolgen.

Weitere Informationen zu den neuen Normen und norm-konforme Röntgenschutzkleidung finden Sie auch in der Kategorie Röntgenbedarf im Praxisdienst Online-Shop.

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